Flickr hält trotz negativer Kritik in der Vergangenheit immer noch den Status Primus im Bereich der Bilderdienste im Web. Ein sehr ehrgeiziger Konkurrent in diesem Bereich ist Zooomr, der mit einigen interessanten Features aufwartet. Es wird also Zeit für einen Vergleich:
Flickr:
Der schon vor längerer Zeit von Yahoo aufgekaufte Dienst ist stark verbreitet. Täglich kommen zig neue Bilder hinzu. Allein in diesem Monat wurden 2,2 Mio. Bilder mit Geoinformationen hochgeladen.
Zahllose Tools und Websites bieten dabei Zugriff auf Flickr. Die Bildverwaltungsprogramme von KDE etwa erlauben es, Fotos direkt zu Flickr hochzuladen. Oder wie man hier im Blog sieht bietet WordPress ein Widget, mit dem die neuesten Fotos direkt angezeigt werden können.
Die Oberfläche der Website gestaltet sich schlicht, zu Beginn wirkt sie etwas unübersichtlich. Dennoch lassen sich eine Vielzahl von Voreinstellungen treffen, etwa mit welcher Privatsphären-Einstellung und welcher Lizenz Fotos standardmäßig hochgeladen werden sollen. Das Hochladen selbst gestaltet sich einfach in einem Dreischritt, in dem die Bilder ausgewählt, hochgeladen und anschließend mit zusätzlichen Informationen versehen werden können. Dabei liest Flickr automatisch die EXIF-Daten von Fotos aus und kann diese anzeigen. Leider lassen sich im Free-Account nur jeweils 100 Mb pro Monat uploaden.
Die Anzeige der Bilder im eigenen Bereich ist besonders gelungen. Hier werden ca. 18 Fotos auf einmal dargestellt. Unter jedem Bild findet man sofort und übersichtlich sämtliche Informationen, wie etwa die Beschreibung, das Datum, an dem die Datei hochgeladen wurde, die Lizenz, die Option, das Bild wieder zu löschen, ein Zähler, wie oft es bereits angesehen wurde und wieviele Kommentare abgegeben wurden. Beim Klick auf ein Foto wird es allein und größer dargestellt, zudem erhält man weitere Informationen und Einstellungsmöglichkeiten, sowie einfache Bearbeitungsoptionen wie Drehen usw. Leider bietet Flickr auch hier im kostenlosen Account nicht die Möglichkeit, größere Bilder auch in der originalen Auflösung zu speichern. Somit wird es als Backup-Möglichkeit unbrauchbar. Ein weiterer Nachteil ist, dass Fickr nur 200 Bilder darstellt. Lädt man mehr Bilder hoch, erscheinen zwar die neuesten wie gewohnt, dafür aber fallen ältere Bilder weg. Sie sind zwar immer noch da und können über den direkten Link auch immer noch angesehen werden, aber sie tauchen eben nicht mehr in der Liste auf. Mit dieser Einschränkung möchte man die Leute dann recht aufdringlich vom Nutzen des Pro-Accounts überzeugen.
Dafür besitzt Flickr ein geniales Tool zur gleichzeitigen Bearbeitung mehrerer Bilder. In einer Laufleiste am unteren Rand werden alle Bilder angezeigt und lassen sich von dort auf die große Arbeitsfläche im Mittelteil des Bildschirms ziehen. So kann man Bilder einem Album zuordnen (im Free-Account hat man davon leider nur 3), kann Lizenzen, Namen und vieles mehr in einem Rutsch ändern, was wirklich praktisch ist.
Wie bei Zooomr besteht auch bei Flickr die Möglichkeit des Geotaggings. Hiermit lassen sich die Fotos direkt einem Ort auf der Welt zuweisen. Leider sind die Satellitenbilder sehr ungenau und ab einem bestimmten Zoom-Faktor erscheinen gar keine mehr. Das vermiest natürlich den Spaß am Geotagging.
Eine ebenso besondere praktische Funktion ist das Abo eines bestimmten Tags mittels RSS-Feed. So kann man sich immer darüber informieren lassen, wenn etwa jemand ein Foto mit dem Tag „Nilpferd“ einstellt.
Zooomr:
Die Startseite von Zooomr ist erstmal ernüchternd. Man bekommt kein schönes aktuelles Bild wie bei Flickr, lediglich riesige Textfelder und Werbebanner, die im ersten Moment nicht unbedingt auf einen Bilderdienst hinweisen. Bis vor kurzem war es für deutsche User auch noch recht verwirrend, zwei Mal den Link für „Anmelden“ zu finden, da es hier Probleme bei der Übersetzung von „Log In“ und „Sign Up“ gab. Jetzt findet man „Registrieren“ und „Einloggen“.
Der unübersichtliche Aufbau setzt sich leider konsequent fort. Die Hauptseite des Accounts ist da immer noch als Positiv zu vermerken. Man merkt hier bereits, dass Zooomr mehr als Flickr auf Communitiy-Features setzt. Groß erscheint die sogenannte Zipline, die man mit Twitter vergleichen kann. Hier hat der User die Möglichkeit, in knappen Zeilen zu erzählen, was er gerade so treibt. Hat man vor kurzem Bilder hochgeladen, wird das ebenfalls in der Zipline vermerkt, so dass Freunde und Kontakte immer sehen können, was gerade aktuell angesagt ist. Im Free-Account bekommt man nur eine Seite der Zipline zu sehen, will man alle haben, also zu älteren Einträgen zurückblättern, muss man auf Pro upgraden. Daneben bekommt man Links zu den eigenen Fotos, zur Zipline und zu den Kontakten, die man eingeladen hat. Über die Einträge in der Zipline von Kontakten kann man sich übrigens auch per RSS-Feed informieren lassen.
Zooomr hat seine API geschlossen, weshalb es im Moment kein Tool gibt, das direkt auf die Seite zugreifen kann. Ein komfortables Upload-Programm wie bei Flickr gibt es also (noch) nicht. Dafür funktioniert das Webformular sehr einfach und braucht auch lediglich eine Seite anstatt drei. Über ein aufklappendes Browserfenster klickt man alle Bilder an, die man hochladen möchte. Zooomr übernimmt sie dann auf die Website. Nun kann man angeben, unter welchen Tags und welcher Privatsphäre die Fotos eingestellt werden sollen. Dabei hat man wie bei Flickr auch die Möglichkeit zwischen Öffentlich, Freunde, Familie und nur sich selbst zu wählen. Eine Funktion, auch gleich identische Titel, Beschreibungen oder Lizenzen anzugeben ist leider nicht vorhanden. Mit einem Klick auf „Hochladen“ geht es dann auch gleich los.
Die Übersichtsseite der Fotos ist nicht so umfangreich wie bei Flickr. Man bekommt nur Titel, Beschreibung, Privatsphäre und Datum des Uploads. Angaben zur Lizenz etc. fehlen leider. Das ist insbesondere dann unpraktisch, wenn man nach einem bestimmten Tag sucht und dabei auch gleich die entsprechende Lizenz, unter der die einzelnen Suchergebnisse abgelegt sind, direkt einsehen möchte. So muss man jedes Bild einzeln anklicken.
Umständlich handhabt es sich auch, Änderungen an Bildern durchzuführen. Ein praktisches Tool zur Serienbearbeitung wie in Flickr sucht man hier vergeblich. Die Lizenz etwa ist für jedes Bild voreingestellt „All rights reserved“. Dies lässt sich auch nirgends in den Optionen ändern. Will man ein Bild auf Creative Commons setzen muss man das Bild zuerst anklicken und dann dort in den Optionen auf den entsprechenden Reiter klicken. Erst dann klappt der gesamte Inhalt auf, der nähere Informationen anzeigt. Danach muss man zuerst auf einen Stift klicken, um die Lizenz ändern zu können, was dann durch einen weiteren Klick bestätigt werden muss. Und wenn man das für etwa 100 Bilder einzeln machen muss, weiß man, womit man sein Wochenende verbracht hat.
Zooomr unterstützt – zumindest prinzipiell – auch Geotagging. Hier sind die Satellitenbilder deutlich besser als bei Flickr. Immerhin existiert hier die Serienzuweisung mehrerer Bilder. Man klickt zuerst auf den Bereich der Karte, wo die Bilder zugeordnet werden sollen, dann öffnet sich ein zweispaltiges Fenster, aus dem man aus allen öffentlichen Bildern die entsprechenden in den zu rechten Bereich zum Zuweisen schieben kann. Dabei steht auch die Möglichkeit zur Verfügung, die Bilder nach Tags zu filtern, was gerade bei großen Sammlungen sehr praktisch ist.
Alben gibt es bei Zooomr zwar nicht, dafür aber so genannte Sets. Hier lassen sich keine einzelnen Bilder zuordnen sondern bestimmte Zuordnungskriterien bilden. Beispielsweise lassen sich alle Bilder mit dem Tag „Kloster“ zu einem Set zusammenfassen. Dabei lassen sich nicht nur die eigenen Bilder sondern auch fremde mit den selben Eigenschaften einem solchen Set zuweisen, was abermals das Community-Denken unterstreicht. Praktisch ist hierbei, dass man Bilder später nicht nochmal von Hand einem Album zuordnen muss wie bei Flickr. Gibt man den entsprechenden Tag an oder erfüllt das Bild ein anderes Kriterium eines Sets wird es dort automatisch hinzugefügt. Sets lassen sich nach einer Vielzahl Kriterien und in unbegrenzter Anzahl anlegen.
Viele Einstellungen kann man bei Zooomr nicht treffen. Auch hier erkennt man wieder den Schwerpunkt auf dem Community-Aspekt. Die Einstellungen lassen eine Kurzbiografie und eine ausführliche Bio zu. Neben dem Passwort kann man auch noch angeben, wie man benachrichtigt werden möchte und welches Design die Seite haben soll. Ansonsten lassen sich noch irgendwelche externen Geräte einrichten, was ich aber nicht getestet habe. So umfangreiche Optionen wie bei Flickr muss man auch hier vermissen.
Neben all den Schattenseiten hat Zooomr aber auch bedeutende Vorteile. So hat man hier im Free-Account bedeutend weniger Einschränkungen. Es werden stets alle eigenen Bilder angezeigt, sogar in Originalgröße. Eine Beschränkung auf 200 sichtbare Bilder wie bei Flickr gibt es hier nicht. Auch eine Beschränkung der Menge, die man pro Monat hochladen kann, entfällt.
Man muss hier auch zu Beachten geben, dass es sich um ein junges Projekt mit wenig Personal handelt, das aber Kontakt zu den Usern sucht. In den „Gruppen“ genannten Foren findet man Hilfe und ein offenes Ohr. Gut möglich, dass in naher Zukunft fehlende Features nachgeliefert werden. Das Potential zu einem ernsthaften Konkurrenten zu Flickr ist jedenfalls da.
Fazit:
Flickr besticht durch seine weite Verbreitung und seine ordentlichen Komfortfunktionen, die harten Einschränkungen im Free-Account trüben den sonst positiven Eindruck stark. Keine Originalgrößen, nur 200 sichtbare Bilder und lediglich 3 Alben sind nicht gerade viel.
Bei Zooomr verhält es sich genau umgekehrt: kaum Einschränkungen im Free-Account unkonventionelle Ideen wie den Sets statt Alben. Die gesamte Atmosphäre bei zooomr erweckt einen familiäreren, weniger auf Profit ausgerichteten Eindruck. Leider muss man auf viele Komfortmöglichkeiten wie Serienbearbeitung mehrerer Bilder verzichten und sich an die etwas unübersichtlichere Gestaltung gewöhnen. Aber das Projekt ist noch jung und die Macher engagiert. Einige der fehlenden Funktion werden sicher noch kommen und sobald das Team die API wieder öffnet, kann man auch mit externen Tools wie dem jUploadr wieder darauf zu greifen.








Montag, 7. April, 2008 um 06:32:39
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